Die Forschungsthemen im Förderschwerpunkt Energiewende und Gesellschaft sind vielfältig. Sie reichen von Demokratie und Partizipation über Soziale Gerechtigkeit bis hin zu Entscheidungsprozessen und Politik. 

Um die zahlreichen Projekte, Expert:innen, Veranstaltungen, Publikationen und Produkte schnell auffindbar zu machen, sind sie alle thematisch zugeordnet. Dies ermöglicht über eine Filterung schnell die relevanten Inhalte zu finden. 

Diese Thementags werden auf der Webseite verwendet – von A wie Akzeptanz bis W wie Wärmewende:

  1. Akzeptanz und Teilhabe

    Die breite Akzeptanz in der Bevölkerung gilt als zentrales Erfolgskriterium der Energiewende. Das Themenfeld „Akzeptanz und Teilhabe“ befasst sich damit, wie Vertrauen, Verständnis und Zustimmung gestärkt und wie die Bereitschaft gefördert werden können, die Energiewende aktiv zu unterstützen. Dazu gehört etwa die Frage, ob und in welchem Maße Bürger:innen konkrete Projekte wie Windkraftanlagen an bestimmten Standorten befürworten oder ablehnen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Akzeptanz durch Teilhabe zu erhöhen – etwa durch transparente Informationen, faire Beteiligungsmodelle und finanzielle Mitwirkungsmöglichkeiten wie Energiegenossenschaften, Bürgerfonds für Solaranlagen oder Gewinnbeteiligungen an Windparks. Solche Formen der Teilhabe können Akzeptanz wirksam fördern.
     

  2. Bürgerenergie

    Bürgerenergie umfasst die Beteiligung der Menschen an der Energiewende vor Ort, ermöglicht durch die dezentrale Erzeugung erneuerbarer Energien. Typische Formen sind etwa Energiegenossenschaften, in denen Bürger:innen gemeinsam in Windparks oder gemeinschaftliche Solaranlagen investieren und diese betreiben. Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch die gemeinsame Nutzung selbst erzeugter Energie, die neue Formen der Teilhabe eröffnet und einen wichtigen Meilenstein für eine demokratisierte Energiewende darstellt. Darüber hinaus ermöglichen Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach oder Balkonkraftwerke vielen Menschen eine direkte Beteiligung an der Energiewende. Bürgerenergie stärkt Akzeptanz, Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe und ist damit ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende.
     

  3. Demokratie und Partizipation 

    Das Thema „Demokratie und Partizipation“ beleuchtet, wie Bürger:innen, Gemeinden und verschiedene Interessensgruppen aktiv an Entscheidungen rund um die Energiewende beteiligt werden können. Transparenz, gesellschaftlicher Dialog und Möglichkeiten zur Mitbestimmung stehen dabei im Mittelpunkt – sei es bei der Planung von Energieprojekten, der Gestaltung von Förderprogrammen oder der Entwicklung regionaler Energiekonzepte. Es geht darum, in der Energiewende demokratische Werte zu leben – durch Mitsprache bei Energiewendeprojekten, durch gemeinschaftliche Planung von innovativen Vorhaben und durch faire Aushandlungsprozesse zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
     

  4. Digitalisierung und KI

    Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können positive Beiträge zur Energiewende leisten. Das Thema „Digitalisierung und KI“ befasst sich daher mit der intelligenten Steuerung der Energiewende. So können Smart Grids Angebot und Nachfrage in Echtzeit ausgleichen; Software- und KI-Tools können dabei helfen, Wind- und Solarstromproduktion besser zu prognostizieren, Speicher zu steuern und Millionen dezentrale Erzeuger zu koordinieren; Smart Meter können dynamische Tarife ermöglichen; und KI die Optimierung von Gebäudeenergie und Industrieprozessen unterstützen. Auch die Planung des Netzausbaus und Lastmanagement im zunehmend dezentralen Energiesystem können von digitalen Lösungen profitieren. Gleichzeitig gilt es, mögliche Risiken frühzeitig und vorausschauend in den Blick zu nehmen. Dazu gehört neben dem Datenschutz und der Cybersicherheit insbesondere der hohe Energieverbrauch von KI. Diese Herausforderungen sind bei der Abwägung von Kosten und Nutzen für die Energiewende zu berücksichtigten, um ihren Einsatz insgesamt effizient zu gestalten.
     

  5. Entscheidungsprozesse und Politik

    Die Politik setzt den Rahmen für die Energiewende und ermöglicht ihre Umsetzung: Gesetze wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder das Gebäudeenergiegesetz lenken Investitionen ebenso wie CO₂-Preis, Förderprogramme und ordnungsrechtliche Vorgaben. Das Themenfeld „Entscheidungsprozesse und Politik“ verbindet die Investitionsentscheidungen von Unternehmen und Haushalten mit diesen politischen Rahmenbedingungen. Dazu zählen Politikziele, konkrete Politikinstrumente sowie Politik- und Planungsprozesse – wie Ausbauziele, Dauer von Genehmigungsverfahren oder die Bezahlbarkeit von Klimaschutzinvestitionen für einkommensschwache Haushalte. Eine evidenzbasierte und demokratisch tragfähige Entscheidungsfindung muss Interessenskonflikte ausgleichen und techno-ökonomische, geopolitische sowie sozio-kulturelle Unsicherheiten berücksichtigen. Kurz: Es geht um das Etablieren einer gesellschaftlich getragenen Vision, klarer politischer Rahmenbedingungen und wirksamer Anreizmechanismen, die sowohl individuelle als auch organisatorische Entscheidungen für Innovation und Investitionen in die Energiewende gezielt ermöglichen und unterstützen. 
     

  6. Kommunikation und Narrative

    Das Thema „Kommunikation und Narrative“ betont, dass die Energiewende wesentlich durch die Geschichten geprägt wird, die wir über sie erzählen. Narrative – also Erzählungen über den Wandel – beeinflussen, wie Menschen ihn verstehen, bewerten und unterstützen. Einseitige Narrative, die Verzicht und Verbote betonen, können negative Sichtweisen verstärken. Positive, zukunftsorientierte Narrative motivieren und zeigen Chancen auf, die beispielsweise in der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten oder in einer weltweiten Führungsrolle im Bereich Clean Tech liegen. Solche Erzählungen stärken gemeinsame Werte und positive Emotionen rund um Nachhaltigkeit. Klare, transparente Kommunikation über Ziele, Kosten und Nutzen der Energiewende schafft zudem Vertrauen und erleichtert Investitionen von Unternehmen und Haushalten in Klimaschutzlösungen.
     

  7. Koordination und Allianzen

    Bund, Länder, Kommunen, Unternehmen, Netzbetreiber und Zivilgesellschaft – die Energiewende erfordert das Zusammenwirken verschiedenster Akteur:innen und sie hat damit hohe Abstimmungsbedarfe. Das Thema „Koordination und Allianzen“ thematisiert diesen hohen Koordinierungsbedarf, der besonders deutlich wird bei der integrierten und systemischen Planung, die die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr erfordert oder auch bei der kommunalen Wärmeplanung oder dem Um- und Ausbau des Stromnetzes. Ohne koordiniertes Handeln und gezielte Allianzen der verschiedenen Akteure drohen Ineffizienz, Doppelstrukturen und Verzögerungen. Dabei müssen zunehmend neue Akteure – auch außerhalb des traditionellen Energiesektors – eingebunden werden und neue Allianzen aufgebaut werden, die über bestehende Netzwerke hinausgehen. Erst so wird es möglich, Synergien zu nutzen, gemeinsame Strategien zu entwickeln und innovative Lösungen voranzubringen.
     

  8. Industrietransformation

    Wie können Industrieunternehmen auf klimaneutrale Produktionsprozesse und Produktportfolios umgestellt werden? Das Thema „Industrietransformation“ ist für alle Branchen relevant, wobei oft ein besonderer Fokus auf der Transformation der energieintensiven Industrien wie Stahl, Chemie oder Zement liegt. Statt Kohle, Öl oder Gas wird je nach Branche dabei auf Elektrifizierung oder auf grünen Wasserstoff gesetzt. Die industrielle Transformation hin zur Klimaneutralität erfordert massive Investitionen in Infrastruktur und Technologien sowie die Stärkung der Nachfrage nach innovativen klimaneutralen Produkten und Prozessen. Zwei wichtige Erfolgsfaktoren für eine wettbewerbsfähige klimaneutrale Industrie sind deren hohe Innovationskraft und eine sichere und bezahlbare Strom- und Wärmeversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien.
     

  9. Infrastruktur und Flächennutzung

    Welche Infrastrukturen müssen im Zuge der Energiewende auf- bzw. umgebaut werden und mit welchem Bedarf an Flächen geht dies einher? Das Thema „Infrastruktur und Flächennutzung“ adressiert beispielsweise, dass Erneuerbare Energien große Flächen für Windparks, Freifeld-Solaranlagen oder Bioenergieerzeugung benötigen und dadurch Flächennutzungskonflikte entstehen können. Zudem müssen Stromnetze ausgebaut werden, um dezentrale Erzeugung zu integrieren. Auch Wärmenetze, Wasserstoff-Pipelines und die Elektrifizierung von Industrie, Wärme und Verkehr erfordern neue Infrastrukturen. Dabei können Flächenkonkurrenzen zwischen Energieerzeugung, Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft und Naturschutz entstehen. Für den Erfolg der Energiewende sind daher intelligente Raumplanung und Interessensabwägungen entscheidend. Gleichzeitig ist auch das Stilllegen nicht mehr benötigter Infrastrukturen (z.B. Gasverteilnetze) und der politische und wirtschaftliche Umgang damit ein wichtiges Zukunftsthema.
     

  10. Soziale Gerechtigkeit

    Soziale Gerechtigkeit in der Energiewende bedeutet, dass Kosten und Nutzen fair über alle Akteursgruppen verteilt werden. Besonders relevant ist dabei die Situation einkommensschwacher Haushalte, die durch steigende Energiepreise überproportional belastet werden und gleichzeitig geringere finanzielle Möglichkeiten haben, in die Energiewende zu investieren. Diese Benachteiligung kann etwa durch einkommensabhängige staatliche Förderungen – etwa für energetische Gebäudesanierungen – ausgeglichen werden. Auch regionale Unterschiede sind relevant: So ist es wichtig, den Strukturwandel in besonders von der Energiewende betroffenen Regionen sozial abzufedern, wie beispielsweise in den Kohleregionen. Ziel ist es, dass alle Bürger:innen von der Energiewende und dem Klimaschutz profitieren – etwa durch bezahlbare erneuerbare Energien und neue Arbeitsplätze in grünen Zukunftsbranchen.
     

  11. Verhalten und Suffizienz

    Das Thema „Verhalten und Suffizienz“ betont, dass Verhaltensveränderungen von Individuen und Organisationen ein wichtiges Erfolgskriterium der Energiewende und ein Eckpfeiler auf dem Weg zu einem klimaneutralen Energiesystem sind. Individuelle und kollektive Entscheidungen beeinflussen beispielsweise, wie hoch und flexibel der Energieverbrauch ist und sind daher relevant für den Umstieg auf energieeffizientere Technologien oder die Nutzung dynamischer Stromtarife. Wichtig in diesem Kontext ist es, das Rebound-Phänomen zu berücksichtigen, das zum Beispiel auftreten kann, wenn eingesparte Energie für zusätzlichen Konsum genutzt wird. Forschung zu Suffizienz untersucht, wie Lebensstile und Konsummuster so verändert werden können, dass weniger Energie und Ressourcen benötigt werden. Suffizientes Verhalten ist dabei mehr als Energiesparen durch effizientere Geräte – sondern dazu zählen etwa auch kleinere Wohnflächen oder eine längere Produktnutzung.
     

  12. Wärmewende

    Die Wärmewende ist zentral, um die Klimaschutzziele zu erreichen und Energiearmut zu reduzieren. Die Forschung zum Thema „Wärmewende“ befasst sich mit der Transformation der Wärmeversorgung weg von fossilen Brennstoffen hin zu klimaneutralen Alternativen. Wichtige Erzeugungstechnologien dabei sind Wärmepumpen, Fernwärme aus erneuerbaren Quellen, Solarthermie und Biomasse. Um diesen Umstieg kosteneffizient zu realisieren, bietet es sich an, den Wärmebedarf durch energetische Gebäudesanierung insgesamt zu senken. Die Wärmewende erfordert langfristige Planung, hohe Investitionen und eine faire Verteilung von Kosten und Nutzen, beispielsweise zwischen Gebäudebesitzer:innen und Mieter:innen. Dabei können gesetzliche Regelungen und staatliche Förderungen einen Beitrag leisten.