Die Energiewende in Deutschland ist kein Selbstläufer – dennoch schreitet der Wandel zu einer nachhaltigen und resilienteren Energieversorgung voran: Über die Hälfte des Bruttostromverbrauchs wird seit 2023 von erneuerbaren Energien gedeckt, die Anzahl elektrischer Fahrzeuge nimmt zu, und auch bei der Wärmeversorgung breiten sich nicht-fossile Optionen aus. Aber es gibt auch Gegenwind, der die Energiewende ausbremst oder sie gar zurückwerfen kann. Dabei müsste die Dynamik deutlich zulegen, um die politischen Ziele zu erreichen. Klar ist: Die Transformation des Energiesystems in Deutschland – genauso wie in vielen anderen Ländern – befindet sich inzwischen nicht mehr in der Anfangsphase des Wandels, sondern sie ist bereits in die nächste Phase – die Beschleunigungsphase – eingetreten. Diese ist durch neue Herausforderungen wie den genannten Backlash charakterisiert.
Energiewende zwischen Beschleunigung und Backlash: Gesellschaftsforschung stärken
- Akzeptanz & Teilhabe
- Bürgerenergie
- Demokratie & Partizipation
- Digitalisierung & KI
- Entscheidungsprozesse & Politik
- Industrietransformation
- Infrastruktur & Flächennutzung
- Kommunikation & Narrative
- Koordination & Allianzen
- Soziale Gerechtigkeit
- Verhalten & Suffizienz
- Wärmewende
- Bürger:innen & Zivilgesellschaft
- Medien
- Politik
- Wirtschaft
- Wissenschaft
Da die Energiewende nicht nur technologische, sondern auch viele gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringt, ist gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung zentral, um Lösungsansätze zu entwickeln. Es gilt, die zunehmende Nutzung klimafreundlicher Technologien und Infrastrukturen sowie das parallele Auslaufen klimaschädlicher Technologien und Infrastrukturen als sozio-technischen Veränderungsprozess zu verstehen und als solchen wissenschaftlich zu begleiten. Dieser Impuls der Begleitforschung BEWEGT zeigt auf, wie gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung zum Erfolg der Energiewende beitragen kann:
1. Viele Herausforderungen der Energiewende sind politischer und gesellschaftlicher Natur
Während technologische Innovation und Infrastrukturen wichtig sind, liegen zentrale Herausforderungen der Energiewende im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Viele Konflikte haben ihren Ursprung in den Rahmenbedingungen, etwa fehlender finanzieller Teilhabe, hohen Stromabgaben oder regulatorischen Hürden für Flexibilität. Dies zeigt, wie wichtig politische Gestaltung auf Basis evidenzbasierter Gesellschaftsforschung für den Erfolg der Energiewende ist.
2. Die gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung ermöglicht es, die sozio-technischen Herausforderungen besser zu verstehen sowie Lösungsansätze zu erarbeiten und zu erproben
Die gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung untersucht zentrale Herausforderungen der Energiewende. Interdisziplinäre Teams entwickeln – häufig transdisziplinär unter Beteiligung von gesellschaftlichen Akteuren – mögliche Lösungsansätze für die Herausforderungen der Beschleunigungsphase und probieren diese in der Praxis aus.
3. Gesellschaftliche Debatten müssen mehrheitsfähige Lösungsansätze identifizieren und in die Umsetzung bringen, um die Ziele der Energiewende zu erreichen
Welche Lösungsansätze gesellschaftlich und politisch tragfähig sind, muss in gesellschaftlichen Debatten ausgehandelt werden. Wissenschaftliche Expertise im Themenfeld Energiewende und Gesellschaft kann dabei helfen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, schweigende Mehrheiten zu identifizieren und tragfähige Kompromisse zu entwickeln.
Herausgeber
BEWEGT
Autor:innen
Kern, Florian; Rogge, Karoline; Schwäbe, Carsten & Hielscher, Sabine
Erscheinungsdatum
2026
Erschienen in
BEWEGT-Impuls No. 1